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Aggressive Übergriffe auf Rettungsdienst-Mitarbeiter Drucken E-Mail
Geschrieben von Michael Wowro   
Dienstag, 19. Januar 2010

Alexander Auer, M.Sc. ist Autor des Buches Aggressive Übergriffe auf Rettungsdienst-Mitarbeiter.1 In diesem Forschungsgebiet schreibt er überdies als Co-Autor an einem weiteren Buch. Er studierte an der Universität Krems Management im Gesundheitswesen mit Spezialisierung im Rettungswesen. Zur Zeit arbeitet er als Lehrsanitäter und stellvertretender Ausbildungsleiter beim Rettungsdienst der Stadt Wien. Als Notfallsanitäter mit der Notfallkompetenz Beatmung und Intubation (NFS-NKI)2 arbeitet er zudem auf dem Notarzthubschrauber der Stadt Wien - Christophorus 9. Im Folgenden finden Sie das Interview zu seinem im Jahr 2009 erschienenen Buch. (Interviewpartner: Michael Wowro, Januar 2010)

 

FDR: Herr Auer, gab es für Sie persönliche Gründe, dieses Thema als Gegenstand Ihres Buches zu wählen?

Auer: Ich durfte an einem Deeskalationsseminar an einer psychiatrischen Klinik teilnehmen. Dort lernte ich einen Erfassungsbogen für aggressive Übergriffe auf das Personal kennen. Da bei der Wiener Rettung Stimmen laut wurden, dass Patienten immer aggressiver werden, war die Idee geboren, den Meldezettel auf den Rettungsdienst zu adaptieren. Die logische Folge davon war, diese Daten auch auszuwerten.

 

FDR: Welche Formen der Gewalt gegenüber Rettungsdienst-Mitarbeitern gibt es?

Auer: Die Formen der Gewalt gegen Rettungsdienstmitarbeiter sind sehr breit gefächert. Es beginnt schon bei Beschimpfungen und endet mit Verletzungen der verschiedensten Art. Auch Bedrohungen mit Stich- oder Schusswaffen passieren immer wieder. Erst im Herbst 2009 wurde einem Kollegen von einem Patienten das vorderste Fingerglied abgebissen und danach verschluckt.

 

FDR: Geben Sie in Ihrem Buch auch praktische Ratschläge für Mitarbeiter mit Gewaltsituationen umzugehen?

Auer: Das Buch enthält lediglich eine statistische Auswertung der gemeldeten Ereignisse. Um Ratschläge erteilen zu können, wird sicher noch einiges an Ursachenforschung zu leisten sein, da ja der Aggressionspegel, anders als z.B. im Krankenhaus, bei Rettungseinsätzen oft schon sehr hoch ist. Ich bin aber derzeit Co-Autor bei einem Buch, das genau diese Problematik beschreibt und auch praktische Tipps gibt.

 

FDR: Gibt es für den Arbeitgeber Möglichkeiten seine Mitarbeiter vor solchen Situationen zu schützen?

Auer: Ein Schutz vor solchen Übergriffen ist eigentlich nicht möglich. Wichtiger erscheint mir, dass Rettungsdienstmitarbeiter im Aggressionsmanagement und Deeskalation ausgebildet werden.

 

FDR: Sie haben ein Erfassungssystem für Übergriffe entwickelt. Können Sie uns dieses näher erläutern?

Auer: Entwickelt wurde dieses Erfassungssystem schon vor mehr als 15 Jahren in Schweden. Dieses war ursprünglich zur Aggressionserfassung im psychiatrischen Bereich gedacht. Wie schon eingangs erwähnt, habe ich dieses System für den Rettungsdienst adaptiert. Mittlerweile ist die adaptierte Fassung von den Entwicklern validiert und freigegeben. Somit ist der SOAS-R Rettungsdienst auch wissenschaftlich kontrolliert und kann verwendet werden.

Einfach ausgedrückt besteht der Meldebogen aus sechs Abschnitten. Im ersten werden Daten über Ort, Zeit und Verursacher abgefragt. Danach folgen die Spalten "Auslöser", "benutzte Mittel", "Ziel der Aggression", "Konsequenzen für die Angegriffenen" sowie "Maßnahmen um die Aggression zu stoppen". In jeder dieser Spalten muß mindestens eine Aussage angekreuzt werden. Dadurch kann man sich ein gutes Bild von jedem aggressiven Übergriff machen und einer statistischen Auswertung steht nichts mehr im Weg.

Meines Erachtens ist es ein geeignetes Mittel, um die Anzahl und den Schweregrad von Übergriffen im Rettungsdienst nachzuweisen, sowie den Schulungsbedarf zu eruieren und eine Evaluierung danach zu gewährleisten. Um die Anonymität der Mitarbeiter zu gewährleisten, biete ich Rettungsdiensten an, diese Erhebungen bei Ihnen durchzuführen. Seit Neuestem können auch Deeskalationstrainings gebucht werden.3

 

FDR: Herr Auer, wir danken Ihnen für dieses Interview.

 

1 Zur Buchbeschreibung

2 Zum österreichischen Ausbildungssystem im Rettungswesen: Sanitätergesetz (SanG)

3 Weiterführende Informationen zum Thema Aggressionen im Rettungswesen: Auer Aggresives

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 22. Januar 2010 )
 
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