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Forschungsdatenbank Rettungswesen - Initiative für Wissenschaftler und Leiter im Rettungsdienst

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Literaturausgabe

Literaturwissenschaftliche Arbeit
TitelRetrospektive Analyse der Qualität von Notarzteinsätzen im Einzugsbereich der Universitätsklinik Regensburg
FachgebietBWL
Vorname
1.Autor
Markus
Nachname
1.Autor
Schmola
ISBN3-89825-850-5
Verlagwww.dissertation.de
HochschuleUniversität Regensburg
AbschlussPromotion
Jahr2004
Sprachedeutsch
LinkHomepage
Gliederung
AbstractDeutsch: Die vorliegende Arbeit untersuchte 1490 Notarztpatienten, die im Zeitraum vom 01.01.2000 bis 31.12.2000 an das Universitätsklinikum Regensburg eingeliefert wurden. Mit den übermittelten anonymisierten Daten der Rettungsleitstelle ließen sich 94% der Patienten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit innerklinisch identifizieren. 588 Patienten erfüllten die weiteren Einschlusskriterien der Arbeit. Insgesamt dominierten mit 65% Anteil internistische Notfallpatienten. Einsatzspitzen waren um die Mittagszeit sowie am frühen Abend erkennbar. Das Durchschnittsalter des analysierten Patientenguts betrug 56,7 Jahre. In wichtigen Kennzahlen war das Patientenkollektiv Vergleichsstudien ebenbürtig. Es zeigte sich in fast 60% der Einsätze ein NACA-Score <= 3, weshalb von einem eher unspezifischen Einsatz des Notarztes im Einzugsbereich des Universitätsklinikums Regensburg auszugehen sein dürfte. Die Hilfsfrist war bei einer mittleren Anfahrtszeit von 7 Minuten fast immer einhaltbar gewesen. Allerdings zeigten die verwendeten Einsatzzeiten der Notarztprotokolle Rundungstendenzen auf ganze 5 Minuten. Die innerklinischen Patientenerfassungszeiten betrugen in 90% der Fälle weniger als 15 Minuten. Hierbei dürfte es sich im Wesentlichen um Synchronisationsfehler bei der Zeiterfassung handeln, weniger um verspätete Patientenerfassung. Diesem Zeitdefizit muss in weiteren Untersuchungen mit entsprechenden Gegenmaßnahmen, z. B. Vorsehen von Synchronisationsfeldern oder Einsatz funkgesteuerter Uhren, begegnet werden. Bei dieser Analyse konnte außerdem gezeigt werden, dass die Zeitumstellung von Sommer- auf Winterzeit im Oktober 2000 erst verspätet erfolgte. Insgesamt zeigten sich bzgl. wichtiger Einsatzkennzahlen in keinem Fall signifikante Unterschiede zwischen Tages- und Nachtzeiten bzw. einzelnen Fachrichtungen der am Notarztdienst teilnehmenden Ärzte. Für detaillierte Untersuchungen wurden von diesen 1490 Patienten 588 selektiert. In Bezug auf die Dokumentationsqualität zeigten sich je nach Protokollfeld im Notarztprotokoll Dokumentationslücken von 1,2% bis 99,6%. Folglich ist eine deutliche Erhöhung der Dokumentationscompliance bei den Notärzten zu fordern. An Einzelfeldern im Notarztprotokoll konnte nämlich gezeigt werden, dass nichtdokumentierte Maßnahmen in über 50% der Fälle dennoch durchgeführt worden waren. In Einzelbereichen zeigte sich, dass die Dokumentation mit dem NADOK®- Protokoll signifikant besser durchgeführt wurde als mit dem DIVI-Protokoll in der Version 4.0 Bayern. Dies ist nach den Ergebnissen dieser Untersuchung eindeutig dem Protokolldesign zuzuordnen. Zwar liegen mittlerweile Nachfolgeversionen beider Protokolle vor (DIVI 4.2 bzw. NADOKlive®), die betroffenen Felder wurden allerdings wenig bis gar nicht abgewandelt. Außerdem konnte aufgezeigt werden, dass die Papierdokumentation teilweise Doppelkodierungen fordert, die angesichts der technischen Möglichkeiten bei der Auswertung keineswegs mehr zeitgemäß sind. Im Bereich der Diagnosesicherheit fanden sich methodisch bedingt mit 43,4% Diagnosesicherheit und 31,2% Erkennungsrate beim Notarzt geringere Werte als in Vergleichsstudien. Allerdings hatten Vergleichsstudien bisher die Begriffe Sicherheitsrate und Erkennungsrate nie streng getrennt. In der Notaufnahme zeigte sich eine Zunahme beider Werte um über 20%, was nach Folgerungen dieser Arbeit im Wesentlichen an den besseren diagnostischen Möglichkeiten der Klinik im Vergleich zur Präklinik liegt. Mit den erarbeiteten Markern zur Erkennung von Problemdiagnosen fanden sich als schlecht erkennbare Erkrankungen vorwiegend depressive Störungen. Das akute Koronarsyndrom hingegen erwies sich vom Prinzip her als gut erkennbar, jedoch schlecht differenzierbar. Vom Notarzt erkennbare, aber nicht erkannte Diagnosen waren augenfällig nicht ableitbar. Eine Diagnoseverschleppung ließ sich am ehesten bei der Lungenembolie erkennen. Diese Diagnose wurde als Differentialdiagnose oftmals lange aufrechterhalten. Daneben konnte in der Analyse gezeigt werden, dass im präklinischen Bereich Seitenangaben in 20% differieren sind, während dieser Wert in der Klinik auf unter 5 % absinkt. Bei der Betrachtung von Polytraumen fanden sich 17 gesicherte Fälle mit einer klaren Dominanz des männlichen Geschlechts. Hauptproblem bei der Auswertung waren neben der geringen Fallzahl die Dokumentationslücken von 5% bis 35%. Die durchgeführten Maßnahmen waren in den meisten Fällen situationsgerecht. Allerdings konnten nur 40% der Patienten innerhalb der „golden hour of shock“ an das Universitätsklinikum Regensburg verbracht werden. Eine Auswertung an Patienten mit notärztlich vermutetem akuten Koronarsyndrom konnte bei 124 Patienten durchgeführt werden. 56% davon wiesen damit vereinbare Entlassdiagnosen auf. Übersehen wurden akute Koronarsyndrome in etwa 5% der Fälle. In den seltensten Fällen wurde bei diesen Patienten präklinisch ein 12-Kanal-EKG abgeleitet (15%). Die Analgesie erfolgte in 30% der Fälle bei Patienten mit starken Schmerzen insuffizient. Alle anderen Maßnahmen gemäß der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie waren zufrieden stellend durchgeführt, wobei sich allerdings wiederum ein deutliches Dokumentationsdefizit der durchgeführten Maßnahmen zeigte. Mit den erarbeiteten Markern zur Erkennung von problematischen Diagnosen konnten erste Aussagen getroffen werden. Ferner konnte gezeigt werden, dass diese Marker – ohne neue Studien durchführen zu müssen - auf vorhandenes Datenmaterial angewandt werden können. Für eine definitive Aussage zur Praktikabilität sind allerdings Folge- und Vergleichsuntersuchungen unverzichtbar. Die gewonnenen Erkenntnisse können jedoch bereits heute bei der Planung von Schulungsmaßnahmen für den akutmedizinischen Bereich verwertet werden. Als Ergebnis dieser Untersuchung bleibt festzuhalten, dass aussagekräftige Auswertungen nur mit einer hohen Dokumentationsrate möglich sind. Diese gilt es, in Zukunft deutlich zu erhöhen, sei es durch Überarbeitung und Optimierung von Papierprotokollen oder Einführung Palmtop- basierender Anwendungen mit integrierter Vollständigkeitskontrolle und Plausibilitätsprüfung. Außerdem zeigte diese Studie durch ihren retrospektiven Charakter, dass Dokumentationsraten sehr gut über ein retrospektives Studiendesign zu erfassen sind. Will man aber Aussagen zur Durchführung von Maßnahmen über die Dokumentation hinaus erarbeiten, bietet sich eine prospektive Datengewinnung eher an. Hier weiß der Ausführende, dass seine Arbeit untersucht wird, und wird sich deshalb um eine Dokumentation bemühen, die alle durchgeführten Maßnahmen auch widerspiegelt. Aus allen diesen Gründen ist kontinuierliches Qualitätsmanagement im Notarztdienst unabdingbar. Für innerklinische Prozessanalysen ließ sich feststellen, dass angesicht geringer Dokumentationscompliance von notärztlicher Seite, aber auch Mängeln in der „inhouse-Dokumentation“ des Universitätsklinikums die Möglichkeiten eines sinnvollen Qualitätsmanagements noch nicht gegeben sind. In beiden Bereichen sind noch zahlreiche Änderungen nötig, um im Sinne eines kontinuierlichen Qualitätsmanagements Analysen mit absolut zuverlässigen Ergebnissen durchführen zu können.
Eingetragen
am:
28.01.2007 um 17:23 Uhr
Eingetragen
von:
m.wowro
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